Radfahren in der Stadt

Radfahren in der Stadt © ADFC | April Agentur

Ergebnisse des Fahrradklimatest 2020 in Soltau

 

Soltau wieder mit schlechteren Noten - Großer Nachholbedarf bei Radverkehrsförderung

 

Beim im März im Bundesverkehrsministerium vorgestellten ADFC-Fahrradklima-Test 2020 hat sich das Ergebnis in Soltau erneut verschlechtert. Seit 2012 ist die Schulnote für Soltau 3,5 von Jahr zu Jahr auf nunmehr 4,0 abgesunken und steht damit auf Platz 244 von bundesweit 415 Städten in der Größenordnung 20.000 bis 50.000 Einwohner. Städte wie Vechta oder Rotenburg/Wümme haben gezeigt, dass es auch anders geht. Diese belegten die Plätze 8 bzw. 33 im bundesweiten Ranking.

86 Soltauer*innen haben im Herbst letzten Jahres an der bundesweiten Befragung teilgenommen. Unzufrieden sind Soltaus Radfahrer*innen vor allem mit der Qualität der Radwege (Breite und Oberfläche), der fehlenden Falschparkerkontrolle auf Radwegen und der mangelnden Fahrradförderung in ihrer Stadt.

Die Mehrzahl der Befragten sagt, Radfahren bedeute in der Stadt Stress (Note: 3,7) und fast 75 % der Befragten beurteilt die Förderung des Radverkehrs mit mangelhaft, weil in jüngster Zeit kaum etwas für den Radverkehr getan wurde.

Stärken von Soltau sind die gute Erreichbarkeit des Stadtzentrum und die Möglichkeit, Ziele zügig und direkt mit dem Rad zu erreichen. Grundlage hierfür hat das Radverkehrskonzept aus dem Jahr 2003 gelegt. Im Zuge der Umsetzung der Maßnahmen wurden damals auch alle Einbahnstraßen für Radfahrer in Gegenrichtung freigegeben, was Soltaus Radfahrer*innen zu schätzen wissen.

"Leider entsprechen aber viele Radwege nicht dem Stand der Technik. Sie sind zu schmal, zu uneben oder haben einen rauhen Belag, wodurch der Fahrkomfort deutlich beeinträchtigt wird", so Joachim Dierks, ADFC-Vorsitzender im Heidekreis. Entsprechend schlechte Noten wurden im Themenblock Komfort beim Radfahren vergeben.
Schlechte Noten gab es auch beim Punkt Sicherheit. Auf der Fahrbahn werde man bedrängt und behindert, beurteilten über die Hälfte der Soltauer*innen. Radwege und Radfahrstreifen sind nicht so angelegt, dass junge und ältere Menschen sich dort sicher fühlen.

Mit fünf wurde der Stellenwert des Radfahrens in Soltau beurteilt, weil in der letzten Zeit kaum etwas für den Radverkehr getan wurde, Radwege nur selten gereinigt und im Winter nicht geräumt und gestreut werden. Während in anderen Städten die Bürgermeister*innen und Kommunalpolitiker*innen während der Corona-Zeit das Radfahren neu entdeckt hätten, haben Politik und Verwaltung in Soltau diese Chance nicht genutzt, so der ADFC.

Dabei sei es eine große Chance für die von allen als erforderlich erkannte Verkehrswende, wenn Kommunalpolitik und Verwaltung sich dem Thema Radfahren annehmen. Soltau bietet sehr gute Möglichkeiten, viele Wege mit dem Rad zu erledigen. Eine konsequente Förderung des Radverkehrs würde dem Verkehrsaufkommen in der Innenstadt entgegenwirken und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Dafür sei es notwendig, dass das Thema Fahrradverkehrsförderung in Soltau in den Fokus von Kommunalpolitik und Verwaltung rückt, so der ADFC.

"Das Radverkehrskonzept von 2003 bedarf einer Überarbeitung und konsequenten Umsetzung. Im Zuge von allen anstehenden Planungen sollte der Fahrradverkehr stets mit derselben Gewichtung berücksichtigt werden, wie andere Belange auch, z. B. beim geplanten Neubau der Volksbank und der damit verbundene Umgestaltung von Wilhelm- und Mühlenstraße in diesem Bereich. Statt über ein neues Parkhaus am Georg-Lemoine-Platz als eine Option nachzudenken, sollte der Fokus vielmehr auf eine sichere und bequeme Fahrradverkehrsführung ins Stadtzentrum gelegt werden," so der ADFC weiter. Auch das Angebot von BIKE and RIDE-Plätzen am Soltauer Bahnhof müsse dringend erhöht werden. Für abschließbare Boxen gäbe es derzeit lange Wartezeiten.

Und wenn Radwege neu gebaut oder ausgebessert werden, muss der anerkannte Stand der Technik unbedingt berücksichtigt werden. "So ließen sich z.B. Situationen wie am neuen Kreisel in der Winsener Straße vermeiden, wo Radfahrer*innen heute über mehrere 4 – 5 cm hohe Kanten fahren müssen."

Die Ergebnisse im Einzelnen können hier eingesehen werden.

 

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Häufige Fragen von Alltagsfahrer*innen

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer*in achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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