Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Heidekreis

Radfahren im Stadtverkehr

Sicher mit dem Fahrrad im Stadtverkehr unterwegs - Ein Leitfaden für Radfahrer

Verschiedene Radwege bieten verschiedene Möglichkeit. In vielen Situationen könnt ihr selbst entscheiden, wo ihr fahrt. Diese Wahlfreiheit ist ein Gewinn – bringt aber auch Verantwortung mit sich. 

Radfahren wird immer attraktiver, die Infrastruktur immer vielfältiger. Doch mit der wachsenden Zahl an Optionen steigt auch die Unsicherheit: Wo darf ich fahren, wo muss ich fahren – und wo fahre ich am sichersten? Die gute Nachricht: Als Radfahrer habt ihr heute mehr Wahlmöglichkeiten denn je. Die noch bessere: Mit dem richtigen Wissen könnt ihr diese optimal nutzen.

Blaue Schilder bedeuten: Hier müsst ihr lang
Beginnen wir mit der einfachsten Regel: Seht ihr ein blaues, rundes Schild mit weißem Fahrradsymbol, ist die Sache klar. Ob allein, mit Fußgängersymbol kombiniert oder getrennt – diese Wege müssen benutzt werden. Hier habt ihr keine Wahl, die Fahrbahn ist tabu.

Doch keine Sorge: Diese Schilder sind nicht mehr oft zu finden, denn die Benutzungspflicht darf nur angeordnet werden, wenn der Radweg tatsächlich sicherer ist als die Straße. Ist er das nicht, haben viele Kommunen die blauen Schilder bereits abgehängt – wie in Soltau geschehen. Die blauen Schilder findet man heute fast nur noch außerhalb der Ortschaften.

Freie Wahl für freie Radfahrer
Dort wo keine blauen Schilder aufgestellt sind, habt ihr die Wahl. Ihr dürft entscheiden, ob ihr die Fahrbahn oder den Radweg benutzen möchtet -  beides ist erlaubt. Diese Wahlfreiheit ist kein Zufall, sondern ein Gewinn für eure Sicherheit und euren Komfort, denn viele Radwege entsprechen nicht dem Standard und sind in Kreuzungsbereichen nicht immer sicher.

Die Fahrbahn: Oft sicherer als gedacht
Viele von euch zögern, die Fahrbahn zu nutzen – verständlich bei dichtem Autoverkehr. Doch Studien zeigen: An Kreuzungen und Einmündungen seid ihr auf der Fahrbahn oft sicherer als auf Radwegen. Autofahrer sehen euch dort besser, rechnen mit euch und nehmen euch als Verkehrsteilnehmer wahr.

Auf Radwegen im Seitenraum werdet ihr dagegen häufig übersehen – mit entsprechenden Unfallrisiken. Wenn ihr euch für die Fahrbahn entscheidet, fahrt selbstbewusst etwa einen Meter vom rechten Fahrbahnrand entfernt. Das ist euer gutes Recht und sorgt für eure Sicherheit. Ihr seid keine Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse, sondern vollwertige Nutzer der Straße – mit allen Rechten, aber auch mit allen Pflichten.

Wann der Radweg die bessere Wahl ist
Dennoch gibt es Situationen, in denen der Radweg die klügere Option ist. Bei sehr dichtem oder schnellem Autoverkehr, auf unübersichtlichen Strecken oder wenn ihr euch unsicher fühlt oder mit Kindern unterwegs seid, bietet ein gut ausgebauter Radweg Schutz und Komfort.

Seid aber besonders aufmerksam an Kreuzungspunkten und haltet Abstand von parkenden Autos.

Links fahren ist selten erlaubt
Auch für euch gilt das Rechtsfahrgebot. Einen Radweg dürft ihr grundsätzlich nur in Fahrtrichtung rechts befahren. Nur wenn ein Verkehrszeichen das Befahren der linken Seite freigibt, ist es erlaubt. Aber seid dabei besonders vorsichtig, denn Autofahrer rechnen häufig nicht mit Radfahrer von dieser Seite und es kommt leicht zu Unfällen an Kreuzungspunkten.

Gehwege „Radfahrer frei": Mit Fingerspitzengefühl
Ein besonderer Fall sind Gehwege mit dem Zusatzschild „Radfahrer frei". Hier seid ihr Gäste auf dem Weg der Fußgänger und solltet euch auch so verhalten. Schrittgeschwindigkeit ist nicht nur vorgeschrieben, sondern zeigt auch Respekt vor den anderen Nutzern.

Ist der Gehweg zu eng, zu voll oder fühlt ihr euch unwohl dabei, Fußgänger zu „stören"? Dann schiebt euer Fahrrad ein Stück oder wechselt einfach auf die Fahrbahn. Auch hier habt ihr die Wahl und könnt flexibel reagieren.

Fußgängerzone: Rücksicht macht das Miteinander möglich
In Fußgängerzonen ist besonders viel Fingerspitzengefühl gefragt. Hier treffen flanierende Menschen auf Verkehrsteilnehmer, Einkaufende auf Pendler. Auch hier gilt Schrittgeschwindigkeit. Fahrt in belebten Bereichen besonders langsam und steigt gegebenenfalls ab.

Ein freundlicher Gruß oder einfach das Tempo drosseln – kleine Gesten wirken Wunder für das Miteinander. Denkt daran: Ihr wollt auch in Zukunft gerne in der Fußgängerzone radeln dürfen.

Sicherheit beginnt im Kopf
Egal wo ihr fahrt: Eure Aufmerksamkeit ist der beste Schutz. An Kreuzungen und Einfahrten gilt besondere Vorsicht – hier passieren die meisten Unfälle. Sucht Blickkontakt zu Autofahrern, macht euch bemerkbar und fahrt vorausschauend.

Haltet bei parkenden Autos ausreichend Abstand zu den Türen. Dooring-Unfälle können zu schweren Verletzungen führen und sind oft vermeidbar. Lieber einen Meter mehr Platz lassen als ein Risiko eingehen.

Ihr habt Rechte – und Pflichten
Als Radfahrer habt ihr das Recht auf sicheres Vorankommen, auf angemessenen Überholabstand durch Autos und auf Respekt und Akzeptanz als Verkehrsteilnehmer. Aber ihr habt auch Pflichten: Rücksicht auf schwächere Verkehrsteilnehmer, Einhaltung der Verkehrsregeln und situationsangepasstes Verhalten.

Diese Balance macht gutes Radfahren aus. Ihr seid weder Bittsteller noch Rüpel, sondern selbstbewusste und verantwortungsvolle Verkehrsteilnehmer.

Nutzt eure Freiheit klug
Die wachsende Wahlfreiheit bei der Wegeführung ist ein Erfolg der Radverkehrsförderung. Nutzt sie klug: Wählt den Weg, der für eure Situation am sichersten und komfortabelsten ist. Habt ihr es eilig, nehmt die Fahrbahn. Fahrt ihr entspannt, kann der Radweg schöner sein. Fühlt ihr euch unsicher, wählt die geschützteren Wege.

Eure Flexibilität ist eure Stärke. Nutzt sie – und fahrt dabei immer so, wie ihr selbst gerne von anderen Verkehrsteilnehmern beachtet werden möchtet. So wird das Radfahren für alle angenehmer und sicherer.

Denn am Ende haben wir alle das gleiche Ziel: sicher, entspannt und mit Freude ans Ziel zu kommen. Auf welchem Weg auch immer.


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